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Leserbrief 02.10.2003

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Schießanlage Köpfertal: Gewaltige Veränderungen im Landschaftsbild

Herr Weber hat recht – die Schießanlage im Köpfertal besteht seit weit über 100 Jahren. Bis zum zweiten Weltkrieg wurde sie jedoch militärisch genutzt. Man kann sich leicht vorstellen, dass es sowohl im preußisch geprägten zweiten deutschen Kaiserreich als auch im militaristischen dritten Reich kaum möglich war, sich gegen militärische Belange erfolgreich zur Wehr zu setzen. Noch älter als die Schießanlage ist aber die Nutzung des Köpfertals als Erholungsgebiet. Schon Ludwig Uhland wurde bei einem Besuch in Heilbronn im Jahr 1811 zu einer Wanderung ins Köpfertal eingeladen und bedankte sich mit einem Gedicht, in dem er die Ruhe dieses „dunklen Thals“ rühmt. Dagegen nimmt sich die Zeitspanne von knapp 50 Jahren, in der die Jäger im Köpfertal zu Gast sind, bescheiden aus.

Wenn Herr Weber behauptet, der Wall der bestehenden Schießanlage sei 20 Meter hoch, muss er sich fragen lassen, wann er zum letzten Mal dort war. Diese Höhe wird vom bestehenden Wall bei weitem nicht erreicht, nicht einmal dann, wenn man die tiefste Stelle im Tal des Trefflinsklingenbachs als Ausgangspunkt nehmen würde. Über einen derartig hohen Wall würden auch kaum die vielen Wurfscheiben aus der Trap-Anlage hinausfliegen, die man heute außerhalb des Zauns aufsammeln kann.

Die geplanten Veränderungen im Landschaftsbild und der gewaltige Gegensatz zwischen dem kleinen vorhandenen und dem riesigen geplanten Wall sind in einem maßstabsgetreuen Modell gut zu erkennen, das die BUND-Ortsgruppe anfertigen ließ. Alle Jäger sind eingeladen, sich mit Hilfe dieses Modells ein Bild vom Vorhaben ihrer Kreisjägervereinigung zu machen.

Die Behauptung von Herrn Weber, die Lärmgutachten seien zu Gunsten der Kreisjägervereinigung ausgefallen, trifft insofern zu, als die Grenzwerte für die Dauerschallpegel in den Wohngebieten unterschritten werden. Dazu muss man aber wissen, dass Einzelschüsse um 30 dB lauter sein dürfen als der ermittelte Dauerschall – 30 dB mehr werden acht mal lauter empfunden. Schließlich sind es die einzelnen Schüsse, die die Menschen zusammen fahren lassen und nicht der Dauerschall. Dazu muss man auch wissen, dass es für den Schutz der Erholung vor Lärm im Landschaftsschutzgebiet keine Grenzwerte gibt. Die errechneten Einzelschusspegel auf Wanderwegen in der Nähe der Schießanlage werden unter Verschluss gehalten – es lässt sich abschätzen, dass sie um 90 dB liegen dürften.

Geradezu abenteuerlich ist die Idee von Herrn Weber, die Kosten für Entsorgung und Sanierung der Schießanlage auf die Gegner der Anlage abzuwälzen. Für diese Kosten haben immer noch die Verursacher gerade zu stehen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Probleme des Bodenschutzes in den 60er Jahren noch nicht so bekannt waren, unterstützt die Landesregierung die Jäger in großzügiger Weise bei der Sanierung. Dabei gibt es aber keine Verknüpfung zwischen Sanierung und Neubau am selben Ort!

Der BUND hat der Jägerschaft mehrfach Mitarbeit und Unterstützung bei der Suche nach Alternativ-Standorten angeboten, leider bisher ohne die geringste Resonanz. Von der Waldheide war dabei aber nie die Rede – dass diese für eine Schießanlage nicht in Frage kommt, dürfte selbstverständlich sein. Wir sind der Auffassung, dass Kreisgrenzen bei der Suche nach Alternativen kein Tabu sein dürfen.

Gottfried May-Stürmer
BUND Ortsgruppe Heilbronn
Lixstraße 8
74072 Heilbronn
07131 77 20 58

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