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Information 07/2003

Heilbronn, Juli 2003

Schwerpunktschießanlage

 im Erholungsgebiet Köpfertal

  1. Geschichte

    Die Kreisjägervereinigung Heilbronn e.V.(KJV) betreibt in Heilbronn im Köpfertal eine Schießanlage mit Kugelständen und einer Wurfscheibenschießanlage. Eigentümerin des ca 3 ha großen Grundstücks ist die Stadt Heilbronn. Die Nutzung ist erstmals durch einen Mietvertrag aus dem Jahre 1957/58 gestattet.
    Die Anlage befindet sich in einem wunderschönen Naherholungsgebiet der Stadt Heilbronn, dem Köpfertal. Seit Jahrzehnten wird die Bevölkerung (Wohngebiete in 500 – 800 m Entfernung) durch den Schießlärm terrorisiert.
     
  2. Pflicht zur Bodensanierung – Neubau der Anlage

    Seit Jahrzehnten betreibt die Kreisjägervereinigung Heilbronn (KJV) den Schießstand. Dabei gelangen ca. 5 Tonnen Blei pro Jahr in den Boden. Aufgrund gesetzlicher Veränderungen im Bereich des Bodenschutzes ist die KJV nun verpflichtet, den belasteten Boden zu entfernen und schadlos zu entsorgen. Sie erhält dafür bis zu 60% Zuschuss aus öffentlichen Mitteln (Jagdabgabe). Die Sanierung des Bodens will die Kreisjägervereinigung mit einem Um- und Ausbau der gesamten Anlage verbinden. Diese sind mit erheblichen Erdbewegungen, Eingriffen in die Natur und erheblicher Ausweitung des Schiessbetriebes verbunden. Hierfür ist der KJV der gleiche Fördersatz zugesagt, sofern die Stadt die eingereichten Pläne genehmigt
     
  3. Die Kreisjägervereinigung plant:
     
    • Die bestehenden Schießbahnen „Laufender Keiler“ und „Kipphase“ zu modernisieren.
    • Den 100m Kugelstand von 2 auf 4 Bahnen zu erweitern.
    • Eine Wurfscheibenschießanlage (Trap und Skeet) komplett neu zu bauen. Es soll im Köpfer ein bis zu 22 m hoher plastikbehangener Wall zum Auffangen des Bleischrotes entstehen. Die Fläche eines halben Fußballfeldes wird asphaltiert, um den Schrot einsammeln zu können Hierfür werden mindestens 30 Bäume gefällt.
    • Einen Pistolenschießstand neu zu bauen.
       
  4. Bestandsschutz?

    Von den Jägern und dem Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn wird von „Bestandsschutz“ gesprochen, die Schiessanlage sei schließlich seit Jahr- zehnten  in Betrieb. Rechtlich entspricht das Vorhaben aber einem Neubau, es besteht deshalb kein Bestandsschutz.
     
  5.  Landschaftsschutzgebiet

    Die Stadtplanung sieht für dieses Gebiet keine Schießanlage vor: Im Flächennutzungsplan ist der gesamte Schießanlagenbereich als Fläche für die Forstwirtschaft ausgewiesen. Die Fläche der Schießanlagen ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes (Galgenberg – Schweinsberg – Staufenberg). Die Schießanlage liegt dabei in enger Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet „Köpfertal“. Bau und Betrieb einer Schießanlage sind in diesem Landschaftsschutzgebiet verboten.
    Zwecke der Ausweisung dieses Landschaftsschutzgebietes sind:
     
    1. Schutz der Erholung
    2. Erhalt der Eigenart und Schönheit der Landschaft in ihrem besonderen Reiz.

    Der Neubau der Wurfscheiben-Schießanlage und des Pistolenschießstandes sowie die Verdoppelung der Zahl der 100-m-Kugelschießbahnen sind ebenso wie der Betrieb dieser Anlagen nur mit Befreiungen von den Verboten der Landschaftsschutzgebietsverordnung möglich.

  6. Massive Ausdehnung der Schießzeiten

    Bisherige Betriebszeiten: Samstags von 10.00 bis 17.00 sowie abwechselnd am Montag und Mittwoch von 16.00 bis 19.00 Uhr. Die Jäger haben beantragt, die erlaubten Schiesszeiten sehr deutlich zu erhöhen, und zwar samstags und an zwei kompletten Werktagen von 9.00 bis 20.00 Uhr. Die Lärmbelästigung steigt dann von ca 500 auf über 1700 Stunden pro Jahr! Außerdem soll die Laufzeit des Pachtvertrages von derzeit einem halben Jahr auf zwanzig Jahre verlängert werden.
     
  7. Lärmbelästigung

    Aufgrund der vorliegenden Daten wurde ein Schallschutzgutachten der Firma.“Heine + Jud“ erstellt. Es bezieht sich auf Berechnungen und ein vorliegendes Gutachten aus dem Jahre 2000. Der Lärm sinkt  im Vergleich zum Vorgutachten vom Jahr 2000 in den Wohngebieten nur gering (um etwa 3 dB(A), die Belastung im Landschaftsschutzgebiet ist unvermindert. Im Bereich des Waldererholungsheims Gaffenberg ist aufgrund des neu geplanten Trichters mit Öffnung nach Südwesten mit einer erhöhten Belastung zu rechnen. Die Lärmgutachten beziehen sich immer auf einen sogenannten Beurteilungspegel, ein errechneter Mittelwert. Der Einzelschusspegel liegt deutlich darüber

    Durch die geplante Ausweitung der Schießzeiten und die Neubauten nimmt die Störung der Erholung durch die Schießanlage erheblich zu.
     
  8. Erweiterte Nutzung

    Die Schießanlage Köpfer in Heilbronn wurde vom Landesjagdverband zur Schwerpunktschießanlage erklärt und erhält deshalb mehr öffentliche Fördermittel. Sofern andere Jägervereinigungen ihre Anlagen nicht auf den Stand der Gesetzgebung bringen, sollen diese auf die Schwerpunktschießanlage ausweichen können.
     
  9. Naturschutz

    Für den Umbau der Schiessanlage werden Erdbewegungen auf einer Fläche von 1,3 ha durchgeführt. Nachgewiesene Hirschkäferpopulationen und seltene Fledermausarten müssen weichen. In dem vorliegenden Gutachten wird dies aber als zweitrangig betrachtet, der Naturschutz stehe dem Neubau der Anlage nicht im Wege. Wichtig sei es aber, dass die Baufahrzeuge mit Biodiesel betankt würden, um bei evtl. Ölspuren den Boden nicht zu verunreinigen!
     
  10. Aktueller Stand
  11. Die Entscheidung über die Schwerpunktschießanlage soll im November fallen. Heilbronns Politiker müssen einsehen, dass das öffentliche Interesse an ungestörter Erholung im Köpfer mehr Gewicht hat als das Interesse der Jäger und Schützen – es gibt genug andere Möglichkeiten für die Ausbildung und Übung der Jägerschaft. Inzwischen wurde bekannt, dass OB Himmelsbach die Entscheidung auf Grund der Hauptsatzung der Stadt HEilbronn alleine fällen wird.
     
  12. Es wurden bisher über 2100 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Außerdem haben sind dagegen ausgesprochen
     
      • der Landesnaturschutzverband
      • der Naturschutzbund (NABU)
      • der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
      • der schwäbische Albverein
      • die Gymnastikgruppe Kneippverein
      • die Initiative Badener Hof
      • der Heimbeirat des Katharinenstifts

Helfen auch Sie mit durch Ihre Unterschrift und Ihr Engagement!

Wir fordern: “Keine Schießlage im Erholungsgebiet Köpfertal“:

  • Der Neubau einer Schießanlage in einem Landschaftsschutzgebiet mit besonderem Erholungswert ist einmalig in Baden-Württemberg und nach unserer Auffassung ein Schildbürgerstreich.
  • In nächster Nähe der Anlage: Wohngebiete, Seniorenheim, Europas größtes Kinderfreizeitgelände (Gaffenberg), Ehrenfriedhof.
  • Für jeden Hausanbau werden die Anwohner um ihr Einverständnis gebeten – diese Anlage sollte in einer Nacht- und Nebelaktion von der Stadt Heilbronn und der Jägervereinigung durchgezogen werden
  • Unerträglicher Schießlärm der jezt auf samstags und zwei Wochentage jeweils 9-20 Uhr ausgedehnt werden soll
  • Keine Rücksicht auf die Natur (Asphaltfläche, Erdwall, Rodungen) – aber die Baufahrzeuge sollen mit Biodiesel betankt werden!
  • Von den 1150 Jägern in der Kreisjägervereinigung sind nur 10% Heilbronner
  • Es haben schon mehr Heilbronner dagegen gestimmt, als überhaupt Jäger in der Kreisjägervereinigung sind.
  • Die Lärmgutachten mitteln den Einzelschusslärm über den Gesamtzeitraum – so wird aus einem peitschenden Schuss ein leises Hintergrundgeräusch.....
  • Ist diese neu errichtetete Schießarena auch für Schießmeisterschaften auf Landes- und Bundesebene vorgesehen? Wird es dann bald auch sonntags knallen?

Das Köpfertal muß wieder ruhig und idyllisch werden – und keine Großkampfbahn für Schießübungen!

Kontaktadressen:

Bürgerinitiative - Keine Schießanlage im Erholungsgebiet Köpfertal
Hartmut Steinmetz, Reutlinger Str. 15, 74076 Heilbronn

BUND Ortsgruppe Heilbronn
Lixstraße 8, 74072 Heilbronn

Spendenkonto BUND:
Stichwort “Köpfer”, Konto: 618 048 006, BLZ 600 907 00, SW-Bank HN

Die BUND Ortsgruppe ist beim Finanzamt Heilbronn als gemeinnützige, förderungswürdige Körperschaft im Sinne der §§ 51 ff AO anerkannt und gehört zu den in § 5 Absatz 1 Nr. 9 KStG bezeichneten Körperschaften. Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

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